Natürlich Tiergerecht

Huforthopädie & Tierheilpraxis

Wie lobe ich richtig?

Bei diesem Beitrag geht es mir um die altbekannte Methode des Lobens. Das "Klatschen", "Klopfen","Tätscheln", ..wie man es eben sehen will.

Freuen wir uns über eine tolle Leistung eines Mitmenschens, oder wollen wir denjenigen Loben - so klopfen wir gerne dem anderen auf die Schulter.

Diese Art des Lobes, sehen wir als Belohnung, als Dank. Womöglich soll es zum Lockern der angespannten Schultermuskulatur dienen, die wir mit der schweren Arbeit wohl gebraucht haben. Ehrlich gesagt - ich weiß es selbst nicht so recht, weshalb wir das eigentlich tun :-)

Interessant war auch die Antwort einiger meiner Mitmenschen, die ich nach so einem "Schulterklopfer" mal so direkt angesprochen habe.

Keiner von Ihnen würde sich trauen, seinem Chef so auf die Schulter zu klopfen. Meist fühlt sich der "Klopfer" also dem "Geklopften" überlegen. Es ist zwar ein Lob, aber hat einen negativen Beigeschmack.

"Gut hast's gmacht" - ganz nach dem Motto: Ich hätte es Dir nun zwar nicht zugetraut, aber ging ja nochmal gut.

Einige würden sich vielleicht gerade noch gleichgestellt fühlen, zum jeweiligen Gegenüber. Was soviel heißt wie, ein ernst gemeintes Lob, welches allerdings nun noch nicht übermäßig gewürdigt wird. Man freut sich über das Gelingen des Anderen, hätte es aber genauso gut selbst geschafft.

Nun aber noch ein weiterer negativer Aspekt vom "Klopflob". Ich als Frau, habe zwar ein breites "Kreuz", wie man im Schwäbischen sagt, bin durch meinen Job auch einen rauen Umgang gewohnt - doch manchmal denke ich mir, mein Frühstück kommt wieder retour, wenn mich ein Kollege meint auf die Schulter klopfen zu müssen.
Überschwängliche Freude wird mit übermäßigem Klopfen belohnt - Na, herzlichen Dank!

Dieses Phänomen beobachte ich jedoch schon lange. Sowohl bei Pferdebesitzern, als auch zB. bei Hundebesitzern. Da werden die Tiere durchge"prügelt" und der Mensch freut sich ein übermäßiges "joaa feiiiiin!!!" aus dem Bauch.

Vor allem bei Pferden beobachtete ich oft ein Anspannen der Muskeln, ein Kopf hochreißen und bei Hunden ebenso ein Zurückweichen.
Ich habe diese zwei "Besitzer" einmal folgendes gefragt:

  • Hast Du deinen Hund schon einmal am Fell gekitzelt, als er geschlafen hat? Nur mit der Fingerspitze berührt? Hat er reagiert und ist sogar wach geworden?
  • Und hast Du, lieber Pferdebesitzer - dein Pferd schonmal auf der Koppel beobachtet, wenn es umgeben ist von Fliegen? Hat dich das propellernde Schweifschlagen wegen ein paar Fliegen am Bauch auch schon genervt?

Alle antworteten mit "JA".

Auf die Frage, was sie wohl meinten, wie ein Tier jetzt "Freude und Lob" mit dieser "Prügelei" verbindet - wurden Sie stutzig.

Die Sensorik, welche die Tiere über ihre Haut und das Fell spüren, ist gleichzusetzen wie unsere Sensorik im Gesicht (auf den Armen/Beinen). Auch hier spüren wir durch unsere Härchen die leichtesten Berührungen.
Nun die Frage: Wenn du gelobt wirst für etwas - wie empfändest Du es, wenn die Leute ausholen würden und mit der gleichen Intensität , wie sonst beim Tier, Dir ins Gesicht "schlagen" würden?

Nicht nur, dass dieses Gefühl wohl echt nicht positiv ist - nein,** wir stumpfen unsere Tiere damit ab.**

Ich halte nichts von Strafen - doch frage ich mich hier immer: Wenn so ein Lob aussieht? Wie sieht die Strafe dann aus?

Feinfühligkeit, feine Hilfen, Sensibilität - Das sind Worte, die ich von den Besitzern immer wieder höre. Diese Eigenschaften wünschen sie sich von Ihren Tieren. Doch selbst sind sie die größten "Bauern".

Wenn dies Eure Wünsche sind, dann seid selbst das beste Beispiel!
Streicheln, kraulen, auch mal krabbeln und kratzen - das finden unsere Tiere toll. Vor allem unsere Vierbeiner, die oftmals an Stellen nicht selbst mit dem Maul/den Pfoten gelangen. Es gibt nichts schöneres als ihnen damit eine Freude zu machen.

Umso feiner das Lob gesetzt wird, umso feiner können Hilfen angefragt werden. Sei es ein Hand auflegen um das Pferd einen Schritt zur Seite zu bitten, oder eine unterstützende Hilfe zum "Sitz" zum Beginn einer Hundeausbildung. Der gesamte Umgang sollte stets mit Ruhe, Sensibilität und Respekt gegenüber dem anderen geschehen. Ich möchte meinen Partner nicht klopfen - ich möchte ihm etwas Gutes tun, als Dank!

Und ich möchte Euch Klopfern da draußen einen Anreiz geben, diesen Unsinn zu unterlassen! Es wäre schön, wenn man bald kein "wildes auf das Tier Eingepatsche" mehr hört, wenn man an Reithallen oder Hundeplätzen vorbei läuft.

Seid freundlich! :-)