Natürlich Tiergerecht

Huforthopädie & Tierheilpraxis

Wenn man das Seil entfernt, bleibt nur eines...

.....die Wahrheit.

Seit einiger Zeit beschäftigt mich die Frage, was mein Pferd wohl tun würde, wenn es mich nicht gäbe. Oder was es tun würde, wenn ich ihn gewähren lasse, wie er es möchte.

Durch diese Überlegungen wurde mir sehr viel klar. Die Tatsache, welches Geschenk uns unser Pferd jeden Tag eigentlich macht.

Das Pferd, als Individuum, braucht uns Menschen von Grund auf nicht. Es braucht seine Herde, die Natur und seine Begebenheiten. Doch was tut das Pferd jeden Tag für uns?

Es sind Kleinigkeiten, die uns so vielleicht gar nicht auffallen. Aber gehen wir doch einmal gemeinsam einen "ganz normalen Tag" mit unserem Pferd durch:

Wir kommen in den Stall, begrüßen unser Pferd ( Vielleicht kommt es ja sogar schon zu uns gelaufen, sofernes nicht in Boxenhaft gehalten wird? ) - Halftern es auf.

Das Aufhaltern, eine völlig banale Sache

 

Doch hier ist schon der erste Punkt: Wir halftern es auf. Nehmen ihm die Fluchtmöglichkeit, WIR bestimmen diesem Fluchttier nun, wohin es uns folgen soll. Und meistens folgt es uns, mit hängendem Kopf. Es vertraut uns!

  • weiter geht es. Viele binden Ihr Pferd an den Putzplatz. Laufen nochmal schnell in die Sattelkammer um Putzkiste, Sattel oder Ähnliches zu holen. Auch hier nehmen wir diesem sensiblem Fluchttier wieder seine Fluchtmöglichkeit. Wir lassen es sogar damit alleine. Aber es steht dort einfach, döst vor sich hin und vertraut uns auch hier wieder einfach!

Warum auch Hufe säubern ein Vertrauensbeweis ist?

  • Hufe auskratzen, wer hätte hier schon an ein "Problem" für ein Pferd denken können? Das Pferd vertraut uns beim Hufe auskratzen sein Leben an! Vielleicht klingt das nun etwas überzogen. Jedoch ist ein Pferd ein Fluchttier, es legt uns seine Hufe in unsere Hände, vertraut uns, dass wir nichts schädigendes mit seinen Hufen anrichten. Ohne seine Füße ist das Pferd machtlos und in der freien Natur dem Tode ausgeliefert.
  • Sind wir aktive Reiter, so satteln wir das Pferd. Wir legen ihm Metall ins Maul, legen ihnen Dinge auf den Rücken und schnallen diese an ihrem Bauch fest. Versetzt Euch mal in seine Situation. Wie oft sehe ich, wie Pferde an den Sattel gewöhnt werden: Wildfremde Trainer, das Pferd kurzgebunden an der Stange. Rauf den Sattel, zack festgeschnallt und das Tier toben lassen, bis es sich beruhigt hat. Bedenkt diese Situation doch bitte einmal. Wie wäre das für Euch? (Ich nenne hier absichtlich immer den worst-case)

  • Das Pferd gesattelt, an der Aufstiegshilfe platziert, wartet es, bis wir uns auf seinem Rücken platzieren. Nun haben wir es in voller Gewalt. Wir lenken und leiten, wir führen und weisen. Das Pferd wird gerade gerichtet, das Pferd soll versammelt laufen. Es soll traben wann wir wollen, es soll den Weg einschlagen, den wir wollen.

Was ist das Geschenk Eures Pferdes?

"Wenn man das Seil entfernt, dann bleibt nur eins: die Wahrheit"

Dieses Zitat ist eines der markantesten, das mich in meiner "Pferdelaufbahn" beschäftigt hat.

Freiarbeit auf dem Platz, das Pferd am Putzplatz abstellen, ohne es festzubinden.... und noch vieles mehr. All' diese Dinge machten mir klar, was es für mein Pferd wohl jeden Tag bedeutet hat, mir täglich zu begegnen.

Mein Ziel ist es auch weiterhin, meine Kommunikation mit meinem Pferd auf einer " so frei" wie möglichen Basis aufzubauen.

Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht? Wie äußert sich Euer Pferd, Euch gegenüber?

Habt ihr schonmal deutliche Zeichen von Eurem Pferd erhalten - was hat es Euch gezeigt?

Ich freue mich auf tolle Geschichten! :-)