Natürlich - Tiergerecht

Denn die Natur kennt immer einen Weg

Warum "Gobbo" den Namen "Artax" bekam...

 29.11.2015

Gobbo stand nun noch immer in dem kleinen Örtchen Tannweiler - gute 2h Fahrtzeit von mir Zuhause weg und ich besuchte ihn zu Beginn noch jedes Wochenende und versuchte dabei eine Bindung zu ihm aufzubauen...

Leider stand nun das Abitur vor der Tür und ich hatte weder Zeit noch Nerven für dieses "Auf -und Ab" zwischen mir und ihm.
So verlor ich Gobbo kurze Zeit aus den Augen....

Ich war voll im Abitur - Stress, kam gereizt von der Schule nach Hause und klemmte mich eher schlecht als recht hinter die Bücher. Die Wochenenden nutzte ich voll aus und hatte zu diesem Zeitpunkt ja auch noch eine Reitbeteiligung bei einem wundervollen Tinker.

Von Gobbo hörte ich in Zwischenzeit, dass er wohl eine Pflegebeteiligung hatte - reitbar war er wohl noch immer nicht. Auch wusste ich, dass der Trainer ihn nicht als Schulpferd nutzen konnte. Er kam mit ihm einfach nicht voran und konnte ihm auch nicht mehrere Menschen an seiner Seite zumuten. 

Ich lebte also vor mich hin....Aber irgendwann kam der Tag, da wurde ich gebeten "mir nach einem eigenen Pferd" Ausschau zu halten - die Besitzerin hatte nun wieder ausreichend Zeit für ihr Pferd und wollte diese wohl auch nutzen.

Nach mehreren Angeboten die mir gemacht wurden, von älteren Haflingern mit angeblich toller Ausbildung, bis hin zu einer weiteren Pflegebeteiligung...ich konnte mir nie vorstellen, mit diesen Pferden "alt" zu werden. Es lag dabei nicht an den Pferden, sie waren alle für sich tolle Wesen...doch einfach nicht für mich bestimmt.

Damals rief ich meinen Trainer an und fragte ihn nach Rat. Dieses Gespräch werde ich nie vergessen: "Hier in  meinem Stall steht DEIN Pferd, wie kommst du auf die blöde Idee das zu hinterfragen?!"

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Am 1. Mai 2010 kam Artax dann zu mir...er wurde mir geschenkt...

und von diesem Tag an war mir klar: Jetzt beginnt unsere Zeit. Jetzt konnte ich der unangenehmen Situation nicht mehr ausweichen, in die mich Artax ja seither sehr oft brachte. Jetzt wurde ich mit all dem konfrontiert und ich musste dran bleiben.

Die unendliche Geschichte von Michael Ende war zu meiner Kindheit eines meiner Lieblingsbücher. Auch der Film war für mich immer eine wahre Herausforderung. Die Szene, in der Atreyu mit seinem Artax die dunklen Sümpfe durchquert und Artax für ihn sein Leben lässt. Ich konnte nie eine Träne unterdrücken. Doch letztendlich endet die Geschichte ja gut und Atreyu kämpft gegen die dunkle Macht des Vergessens für die Phantasie.
Immer habe ich mir gewünscht einmal auf einem Schimmel durch die Prärie zu galoppieren. Jetzt stand er vor mir....

Und damit hieß "Gobbo" nun "Artax" und unsere unendliche Geschichte begann...

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So gut gleich der erste Tag der Neuankunft begann, so schrecklich wurden die weiteren für mich.

Artax stand in seinem vorherigen Stall in einer Paddockbox und nur auf der Weide mit anderen Pferden zusammen. Hier wurde er nun mit 10 grundverschiedenen Pferdetypen konfrontiert - Shettys, Stuten, Tinker, Großpferd....

Artax war überfordert. Mit den Knien schlotternd stand er in der Ecke und traute sich nicht einen Schritt auf die anderen zu zu machen.

Ich hatte mittlerweile meine Ausbildung zur Industriemechanikerin begonnen und fuhr direkt danach immer zu ihm. Ich separierte ihn, setzte mich mit ihm in die Box und ließ ihn fressen. Ihn allein zu separieren war nicht möglich, er bekam Panik, begann sofort mit dem Kopf zu weben und schrie erbärmlich.
Zudem schwenkte in diesem Jahr das Wetter drastisch um, es regnete und war (schwäbisch gesagt) ARSCHKALT. Artax fror und ich besorgte ihm Thermodecken - ihr wollt gar nicht wissen, was das für ein Geduldspiel war ihn einzudecken. 
Auch ich erlebte privat damals einige Rückschläge, hatte sehr viele Probleme mit meinem Selbstbewusstsein, war depressiv gestimmt und fühlte mich nutzlos.

Doch dies war wohl auch die Zeit, in der Artax merkte, dass ich da bin um ihm zu helfen...

Ich verlangte nichts von ihm. Mein Wunsch war nur, dass es ihm gut ging.

Sehr oft rief ich in der Zeit meinen Trainer an und bat ihn, Artax doch wieder zurück zu holen. Ich konnte nicht mehr. Neben den Problemen die Artax mir bot, wurde ich müde belächelt.

"Wie kannst du dir nur ein unreitbares Pferd anlachen?"  - "mit dem wirst du niemals klar kommen" - "da hast du dir die Katze im Sack geholt".

Doch ich blieb hart...ich fuhr jeden Tag zu ihm, rief seinen Namen....

und eines Tages plötzlich - hob er dabei den Kopf und schaute nach mir...

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...und kam auf mich zu.

Das war der Tag an dem plötzlich alles einfach wurde. Ich konnte Artax aufhalftern, ihn nach draußen nehmen...streicheln, bürsten.

Er hatte mich akzeptiert....

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"Ich weiß, dass es schwer wird, aber ich will es so. Ich will Dich und zwar für immer. Ein Leben lang ist mir einfach nicht genug."