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Präbiotika Pferdefutter - hilfreich, oder doch nur Geldmache?

 04.12.2015

Durchfall und Kotwasser. Symptome die mittlerweile immer mehr auftauchen. Mit Ihnen tauchen auch immer mehr Produkte auf, welche "die Lösung" im Akutfall sein sollten. Doch was steckt in Wirklichkeit dahinter?

Es läuft und läuft und oftmals kann man keine genaue Ursache finden. Kotwasser – ein so vielseitiges Symptom.

Ausgelöst durch zb:

  • Wurmbefall
  • Stress
  • Schlechte Raufutterqualität
  • Übersäuerung
  • Aber auch zB durch Magengeschwüre
  • Ab - und /oder Anweiden
  • Falsche Fütterung…etc.

Oftmals spielen mehrere Faktoren im Krankheitsbild eine Rolle. Umso schwerer ist es, eine genaue Hilfe zu finden.

Doch immer mehr Produkte kommen auf den Markt, die versprechen,dass sie genau DIE Lösung für das Problem sind.

Untenstehend habe ich nun einmal einige Zusammensetzungen herausgepickt und möchte Euch mit diesen ein paar Denkanstöße bieten:

Zusammensetzung:
Lignocellulose (45%), Sojaschalen (20%), Rübenmelasseschnitzel (3%), Pflanzenöl aus Raps, raff (1%), Kieselgur (19,5%), Apfelpektin (5%), spezielle Kräuter (4%), Lebendhefen (2,5%)

Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe je kg:
Kieselgur (E 551c) 195,00 g, Apfelpektin (E 440) 50,00 g, Saccharomyces cerevisiae CBS 493.94 10,2 x 1010 KBE


Zusammensetzung
Lignocellulose 70,00 %, Obst (Apfel)Trester getr. 15,00 %, Traubenkernmehl 9,00 %, Karottentrester getr. 5,00 %
Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe je kg:
saccharomyces cerevisiae CBS493.94 (E4a1704) 2,5x10(9) KBE

Zwei sehr ähnliche Präparate von bekannten Futtermittelherstellern.
Beide setzen mit dem größten Anteil ihres Produkts auf Lignocellulose. 

Was ist Lignocellulose?

Die Lignocellulose (von lat. lignum = "Holz" oder "Baum") bildet die Zellwand verholzter Pflanzen und dient ihnen als Strukturgerüst. Es wird im Dickdarm der Pferde mithilfe von Bakterien fermentiert. Cellulose wird je nach Fachgebiet und Analysemethode als Rohfaser, Ballaststoff, ADF minus ADL oder auch als unlösliche Faser bezeichnet. In Pflanzen kommt Cellulose in Verbindung mit Hemicellulose und Lignin vor. Je nach Grad der Verholzung einer Pflanze schwankt der Ligninanteil. Cellulose ist ein wesentlicher Bestandteil von Raufutter, so zum Beispiel von Heu, Stroh und Grünmehlen, aber auch von Weizenkleie, Zuckerrübenschnitzel, Sojaschalen und Reiskleie.
Die Cellulose bildet dabei eine Netzstruktur, welche das Wasser im Darm quasi "auffängt" und bindet.
Es kann hier also durchaus zu einer Besserung der SYMPTOME kommen.

Was ist mit den restlichen Bestandteilen?

Sojaschalen - ebenfalls ein Ligninlieferant
Trester - soll das "Fermentieren" der Produkte unterstützen und durch Milchbakterien die Darmflora unterstützen. Gleichzeitig kann Trester jedoch wieder abführend wirken.
Apfelpektine- werden hier auch wieder zur Bindung von Wasser eingesetzt (jedoch ist die Anzahl der "wertvollen Apfelpektine" hier sehr gering.
Diverse Kräuter, Kieselgur, Rapsöl - Bestandteile, welche geringfügig, nicht genau deklariert und deshalb aus beiden Gründen unbrauchbar sind.

Zu hoher Ligningehalt aber auch oftmals ein Auslöser von Kotwasser

Gerade im Herbst, nach Abweiden der Pferde tritt oft Kotwasser auf. Anders als im Frühjahr, wenn der Organismus sich an das weiche, saftige, wässrige Gras gewöhnen muss - muss sich jetzt der Organismus rasant an jede Menge Rohfaser gewöhnen.
Gerade Ligninhaltiges - holziges Heu, mit viel Rohfaser verschiebt die Darmflora, die noch auf "Weidezeit" eingestellt ist und Kotwasser entsteht. Hier hilft auch oft das Grasen lassen der Pferde. Optimal wäre natürlich eine ganzjährige Weidehaltung - bzw. Zugang zu Gras.

Hier wäre die Wirkung der Produkte also mehr als Kontraproduktiv. Desweiteren setzt meist mit der Fütterung der Produkte eine kurzzeitige Besserung ein. Das Kotwasser verschwindet, solange das Produkt zugeführt wird. Hier wird allein das SYMPTOM "KotWASSER" behandelt und durch die Lignocellulose gebunden. Der Auslöser bleibt jedoch unbehandelt. Oftmals hört man deshalb von Kunden, dass nach Absetzen des Produktes, auch das Kotwasser wieder zurück gekehrt ist. (Der Hersteller erlaubt natürlich auch eine dauerhafte Fütterung ;-) )

Ein weiteres, sehr "teures" Produkt:


Zusammensetzung:
44,68 % Gerste (getoastet und gewalzt), 34,99 % Mais (gepoppt u. gewalzt), 6,39 % Leinschrot, 4,56 % Topinamburkonzentrat, 1,83 % Sonnenblumenkerne, 2,7 % Zuckerrübensirup, 1,37 % Leinsamen, 1 % Bierhefe (BT; schonendst getrocknet)

Zusatzstoffe pro kg:
Vitamin A 9.600 i.E., Vitamin D3 1.500 i.E., Vitamin E 60,0mg, Vitamin B1 1,5mg, Vitamin B2 4,5mg, Vitamin B6 4,5mg, Vitamin B12 24,0mcg, Vitamin C 60,0mg, Folsäure 3,0mg, Nikotinsäure 24,0mg, Calcium-D-Pantothenat 9,0mg, Biotin 30,0mcg, Molybdän 0,3mg, Eisen 60,0mg, Jod 1,2mg, Zink 120,0mg, Cholin 60,0mg, Mangan 90,0mg, Kupfer 27,0mg, Selen 0,6mg

Fütterungsempfehlung:
Pony: mind. 0,5 bis 1 kg
Großpferd: mind. 1 bis 2 kg
Hochleistung: mind. 2 bis 4 kg

Hier finde ich schon die Fütterungsempfehlung äußerst grenzwertig!!!

Im Detail nun auf die einzelnen Zusätze einzugehen, wäre zuviel. Jedoch ist hier auffallend, das hier natürlich auf hohe Getreidefütterung gesetzt wird.

"Getoastet und gewalzt"- sind Aufschlussverfahren des Getreides um dieses "besser verdaulicher" zu machen.Es soll damit leichter die einzelnen Darmpassagen passieren können und somit problemlos den Organismus durchlaufen.
Gerade die Gabe von Getreide kann bei Kotwasser jedoch weniger förderlich oder gar ebenfalls kontraproduktiv wirken. Das aufgeschlossene Getreide, welches die Darmpassagen nun angeblich so wundervoll schnell passieren kann, führt zu einer weiteren Verschiebung der Darmflora. Die Bestandteile des Getreides zu einem Protein / Eiweißüberschusses und einer weiteren Übersäuerung und Belastung des Organismus. In den Mengen von 2-4kg aber auch schon bereits bei 1-2kg absoluter Nonsense und lediglich Geldbeutelfüller der Hersteller!

Tompinambur - eine Wurzelknolle, die zwar ebenfalls dazu beiträgt Wasser zu binden. Sie enthält jedoch gleichzeitig auch jede Menge Inulin. Inulin ist ein Fructan, welches uns bei der Thematik Rehe natürlich sehr bekannt ist und ebenfall Kotwasserauslöser sein kann.

Bierhefe - hier Biertreber, könnte in sofern ein etwas besser durchdachterer Ansatz sein, da er wichtige B-Vitamine liefern kann. Biertreber jedoch ist wieder das "Abfallprodukt" der eigentlichen Bierhefe und in dem Mengen- Anteil wiederrum ein unbrauchbarer "Schönredner" im Produkt.

Zuckerrübensirup - ein Geschmacksverstärker und Staubbinder

Leinsamen 1% - Auch dieses Produkt könnte anders dosiert durchaus ein Helfer sein um die Schleimhäute im Darm zu optimieren. Hier im Produkt selbst jedoch unbrauchbar.

Kurze Erfolge, leere Geldbeutel, leere Versprechungen - doch was kann man tun?

Wie zu Beginn bereits erwähnt ist Kotwasser ein sehr vielseitiges Symptom für teilweise auch mehrere Ursachen.

Eine genaue Anamnese und Diagnostik ist hier deshalb das A und O. Zielführende Ausschlussmethoden, gezielte Behandlung mit Kräutern, Homöopathie und vielen weiteren passenden Therapieverfahren können hier helfen.

Wichtig ist herauszufinden, wo der Kern der Symptome steckt. So kann eine Entgiftung, eine Optimierung des Säuren-Basenhaushaltes uvm. bereits zum Erfolg führen, mit gleichzeitiger Eliminierung der Verursacher.

Ein Produkt als Alleskönner zu empfehlen ist und bleibt deshalb hier NICHT RICHTIG!

Gerne helfe ich jedoch weiter um gezielt die Problematik behandeln zu können. Schreibt mich doch einfach an.