Natürlich - Tiergerecht

Denn die Natur kennt immer einen Weg

Natürliche Futterselektion bei Pferden

 20.02.2016

Wenn ich mit Artax spazieren gehe, dann meist an einer langen Longe, er darf dann stehen bleiben, fressen, knabbern und gelegentlich auch mal nach Erde buddeln. Auf Pfiff trabt er dann meist auf und wir gehen weiter.

Nun habe ich vor einiger Zeit in einer Heilkräuter-Bestimmungs Community ein Bild gezeigt, bei dem Artax, an einer mir unbekannten Pflanze fraß. Ich fragte, ob jemand diese Pflanze kenne, die Reaktion der Mitglieder war verheerend....

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Egal was es ist, dein Pferd darf das nicht fressen!

Wie kannst du so unverantwortlich sein und ihn das fressen lassen?

...und noch weitere, weniger nette Antworten.

Ich reagierte darauf sehr gelassen. 

Die Mitglieder gaben sich schnell selbst Ihre Antworten und es kristallisierte sich auch schnell heraus, wo der Knackpunkt an der Sache lag: "Pferde, die in Boxenhaltung leben, oder in Paddocks mit wenig Weidegang und das nicht kennen, fressen alles was Grün ist und selektieren nicht!"

Damit hatten Sie vollkommen recht. Warum ich mein Pferd das trotzdem durchgehen lasse?

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Artax wird in einem Offenstall gehalten, hat fast täglich die Möglichkeit bei unseren Spaziergängen, sich durch zu knabbern. Selbst bei Wiesen peilt er bestimmte Stellen an, im Wald werden nur bestimmte Bäume geknabbert.
Es kam auch schon vor, dass er in etwas hinein biss, das Gesicht verzog und es wieder ausspuckte.

Giftige Pflanzen schmecken meist bitter und ungenießbar.

Unsere Pferde besitzen von Grund auf ihren Instinkt, erfühlen, tasten und schmecken, ja riechen, ihre Umwelt. Noch heute gibt es Wildpferde, zum Beispiel in Bosnien oder anderen bekannten Gegenden. Hier wurde noch nie ein Todesfall aufgrund von Vergiftung gemeldet. Wie kann das sein?

Wir Menschen machen unsere Pferde "immun" gegen ihre eigentlichen Instinkte.

Die Mitglieder hatten Recht:

  • Boxenhaltung ohne ausreichenden Weidegang.
  • überdüngte Wiesen ohne Vielfalt - Hochleistungswiesen.
  • nicht ausreichende Fütterung.
  • aber auch Koppeln, die bis auf den Boden abgefressen werden und immer nur die "Nachkömmlinge" gleich abgeknabbert werden.
  • falsche Fütterung von Grund auf: Fertigmüslis und Nahrungsergänzungspräparate.

All das sind Faktoren, die die Instinkte unserer Pferde zu nichte machen.

Pferde, die über den Winter abgeweidet werden, keine Wiese sehen über Monate. Diese stürzen sich zur Weidesaison auf die Koppeln und fressen alles in sich rein, was ihnen zwischen die Zähne kommt. Sind die Weiden jetzt begrenzt und nach wenigen Tagen schon abgefressen, kann es vorkommen, dass die Pferde auch zu schädlichen Pflanzen greifen, oder vermehrt auch Pflanzen zu sich nehmen, die zum Beispiel ihrer Verdauung schaden könnten. 

Pferde starben an Vergiftung von Eicheln.

Das ist definitiv schon passiert. Doch, hat man sich die Pferde einmal genau angeschaut, litten sie bereits davor schon eine deutliche Zeit an schweren Verdauungsstörungen oder anderen Krankheiten.

Was haben die Pferde gemacht?

Sie wollten sich die POSITIVEN Eigenschaften der Eicheln zu Nutze machen, fanden keine anderen Alternativen und fraßen diese in rauen Mengen. Hier wirkte nun die Dosis und die Tiere verstarben.

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Wie kann mein Pferd die Instinkte (wieder) erlernen?

Natürlich möchte ich mit diesem Blog nun nicht auffordern, die Pferde wild drauf los futtern zu lassen.

Nur ein gesundes, artgerecht gehaltenes Pferd, mit erfordertem Futterangebot, kann einer natürlichen Selektierung nach gehen!!!

Die Anpassung der Haltung ist also der erste Aspekt. Eine dauerhafte Möglichkeit, auch im Winter, Gras zu fressen, an Bäumen zu knabbern, etc. muss gegeben sein.
Das Futterangebot muss stimmen! Karge Böden, überdüngte Koppeln ohne Vielfalt, lassen kaum Selektierung zu, die Pferde kennen einfach nichts anderes!

Ergänzungsfuttermittel wie: Kräuter, Einzelmineralien, Früchte, Beeren, Obst, Gemüse, etc. sollte GETRENNT zum Kraftfutter gegeben werden und nicht untergemischt werden! Ich verabreiche selbst Globulis und Schüssler Salze - Hier Tabletten, auf Anfrage meines Pferdes,aus der Hand.

Die Pferde sollen wählen können, ob sie dieses Angebot wirklich benötigen.

Artax frisst zum Beispiel keine Hagebutten. Nicht aus der Hand, im Futter sortiert er sie aus, breche ich sie auf und zerstreue sie im Futter, bleibt das Futter stehen - egal welche "Leckerchen" ich untermische! Das ist Selektion vom Feinsten...denn nach Austestung stellte ich fest, dass er sie einfach im Moment nicht benötigt! (Denn auch Hagebutten haben, nicht nur positive Eigenschaften).

Es bedarf einem langen Prozess und vor allem einem Prozess in dem man zu Beginn wirklich wachsam ist und das Pferd nicht alles fressen lässt- doch es wird funktionieren.

Das Schönste daran ist, dass sich die Pferde dann auch, wenn sie können, ihre Notwendigkeiten selbst aus der Natur holen. Artax frisst zum Beispiel bei Magen-Darm Unstimmigkeiten liebend gern Erde!

Achtung giftige Ausnahmen!!!

Selektion ist nicht immer möglich!

Jakobskreuzkraut: Diese Pflanze hat leider die Eigenschaft im wachsenden Zustand noch nicht so bitter zu schmecken, sie lässt sich kaum von anderen Gräsern unterscheiden, giftig ist sie jedoch hochgradig. Hier bitte genaustens darauf achten und vor allem die Koppeln frei von dieser Plage machen! (Es hilft nur Ausbuddeln, entwurzeln und VERBRENNEN!)

Herbszeitlose: Das Gift im Heu. Selbst wenn die Tiere angeblich die Pflanzen aus dem Heu selektieren - hiermit wird oftmals argumentiert, die Samen der Pflanze befinden sich trotz allem im Heu und werden mitgefressen. Auch diese Pflanze ist hochgradig giftig! Das Heu sollte sofort! erneuert werden.

Schenkt Euren Pferden ein Stück Natur zurück!

Äste, verschiedene Gräser, verschiedene Böden, auch Laub...Wälder, Wiesen...erkundet sie mit euren Tieren und genießt sie mit :-)

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Übrigens: Die Pflanze, die Artax ohne meines Wissens fras, war die völlig ungiftige "Wald-Segge" eine Sauergrasart, die mir einfach nicht bekannt war. Aber angeblich saulecker :-)