Natürlich - Tiergerecht

Denn die Natur kennt immer einen Weg

Kohlenhydrate in der Pferdefütterung

 22.11.2015

Kohlenhydrate - sehr selten werden sie im Zusammenhang mit der Fütterung angesprochen und dabei spielen sie so eine wichtige Rolle!

Im folgenden Beitrag habe ich Euch mal die wichtigsten Fakten zusammen gestellt:

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Kohlenhydrate gelten als DIE Engergielieferanten der Pferde - doch verbirgt sich hinter diesen noch so viel mehr!

Kohlenhydrate sind im Wesentlichen aus Zuckermolekülen aufgebaut. Diese werden nochmals in drei Gruppen unterschieden:

Monosaccharide = Einfachzucker

Disaccharide = welche aus zwei Zuckermolekülen bestehen

und Oligo - oder Polysaccharide = Mehrfachzucker

Monosaccharide werden ohne enzymatische Aufspaltung im Dünndarm sofort verwendet. Diese "einfach Zucker" befinden sich in der Pferdefütterung z.B. in Obstsirup, Melasse, in Form von Fruktose in Früchten/ Obst, oder in Form von Saccharose/Glukose zB. in Zuckerrüben. Durch die schnelle Verwertung sind diese Formen von Zucker auch schnelle Energielieferanten.

Mehrere Glukosemoleküle (aus Monosacchariden) ergeben aneinandergereiht nun entweder Stärke oder Cellulose. (Man nennt sie nun auch Polysaccharide).

Diese werden je nach Komplexität nun entweder schon durch Milchsäurebakterien im Magen aufgeschlossen, oder sie wandern weiter in den Dünndarm. Nun gibt es aber auch so komplex aufgebaute Stärkemoleküle, dass die Zeit im Dünndarm nicht ausreicht um sie aufzuschließen, sie wandern also weiter in den Dickdarm. Hier kann es dabei durchaus zu Fehlgährungen kommen. Hier ist es also wichtig auch auf eine gute Verwertbarkeit zu achten.

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Wie ihr seht - auch hier haben wir wieder ein sehr umfangreiches Thema -worauf ist also zu achten?

Man könnte nun schlussfolgern, dass "Leicht verdauliche Kohlenhydrate" die gesündere Variante wäre.

Hierzu gehören Getreidesorten, vor allem thermisch aufgeschlossenen oder anders behandeltes Getreide zur leichteren Aufnahme der Pferde.Der Verdauungstrakt der Pferde ist auf diese Art der Kohlenhydrate nicht ausgelegt. Wird nun viel dieser leicht verdaulichen Kohlenhydrate zugeführt - zb. durch große Kraftfuttermengen, so gelangen einige dieser Kohlenhydrate nicht nur in den Magen/den Dünndarm, sondern wandern weiter in den Dickdarm. Die dortig befindlichen Bakterien, sind jedoch nicht zur Verwertung dieser Kohlenhydrate geschaffen. Der Darminhalt übersäuert und viele wichtige Bakterien sterben ab. - es entstehen Krankheiten wie Hufrehe, Equines metabolisches Syndrom, Equines Cushing Syndrom oder Hautprobleme, wie zb. Ekzeme.

Fruktan ist hierbei ein sehr hinterlistiges Speicherkohlenhydrat. (Es kommt zb.In Form von Inulin in Tombinambur,Pastinake oder Löwenzahn vor) Dieses kann im Dünndarm nicht aufgeschlossen werden und wandert hier als leicht verdauliches Kohlenhydrat in den Dickdarm - Auch hier passiert selbiges wie bereits genannt - die dort nützlichen Bakterien sterben ab und es kommt zu einer schädlichen Ansammlung von "Hufreheauslösern".

Damit kommen wir also zu den "schwer verdaulichen Kohlenhydraten", oder auch zu den "Strukturkohlenhydraten". Diese sind: Cellulose, Hemicellulose,Pektin und Lignin. Diese Kohlenhydrate sind alle in unserem Heu/ hohem ausgewachsenen Gras vorzufinden. Diese werden durch mikrobielle Fermentierung aufgeschlossen. Auch hier ist darauf zu achten, dass das Heu nicht zu holzig /ligninghaltig ist, sondern auch Cellulose mit sich trägt. Auch hier kann ein zuviel/zuwenig zu einer Störung der Darmflora führen.

Dabei können 85% der Pflanze verwertet werden - die komplexen Kohlenhydratverbindungen werden dabei im Darm wieder zu den Einfach/ bzw. Mehrfachzuckern aufgespaltet. Sie können durch die Aufspaltung so von der Darmschleimhaut aufgenommen und weitertransportiert werden. Bei dieser Art der Energiegewinnung enstehen als "Abfallprodukt" Sauerstoff und Wasser - ist das nicht raffiniert? :-)

Sollte bei angepasster Fütterung das Pferd immer noch deutlich einen Energiemangel zeigen - kann es sich hierbei oft um eine Störung der Darmflora handeln. Hier gibt es Mittel und Wege diese natürlich zu entgiften,aufzubauen und zu unterstützen.

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Fassen wir also kurz zusammen:

Müslis, welche thermisch aufgeschlossenens Getreide enthalten (und damit wieder zu leicht verdaulichen Kohlenhydraten umgewandelt werden) können vielleicht gute Energielieferanten sein - auf Dauer und in Menge, wirken sie jedoch eher kontraproduktiv.

Hafer welches zu den leichtverdaulichsten Getreidesorten gehört - hat trotz allem einen viel geringeren Gehalt an diesen "leicht verdaulichen Kohlenhydraten" als Gerste und Mais. Sollte also Getreide zur Energiegewinnung beigefüttert werden - dann empfehle ich definitiv - greift zum Hafer! Aber auch hier sollte eine dementsprechende Tagesmenge abgestimmt auf das Arbeitspensum/den Gesundheitszustand/Haltungsbedingungen des Pferdes nicht überschritten werden!

Heu und Gras als bester Kohlenhydrat und Energielieferant - ist und bleibt nun mal die Hauptnahrungsquelle der Pferde - doch weshalb nehmen wir es uns nicht leicht? Anstatt uns Gedanken zu machen, womit wir die Pferde am besten versorgen können , sollte uns diese Nahrungsquelle in guter Qualität und zu freiem Zugang zur Verfügung stehen!

Kurweise oder "ab und an" können gerne einmal Äste, Stängel, Wurzeln oder Knollengemüse, sowie Samen oder Früchte angeboten werden.

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[Quellen: Dr. Christina Fritz- Pferde fit füttern, www.dr-susanne-weyrauch.de, www.equivetinfo.de]