Natürlich - Tiergerecht

Denn die Natur kennt immer einen Weg

Erlernte Hilflosigkeit - Vom Erkennen und Wegen es besser zu machen

 22.11.2015

Seit knapp 7 Jahren beschäftige ich mich nun mit dem Thema "Natural Horsemanship". Ich besuchte viele Kurse, wälzte Bücher, schaute Videos - immer mit dem Ziel : "Natürliche Kommunikation mit Pferden".

In den letzten Jahren gab ich nun auch selbst Unterricht, einfach aus Spaß und weil es mir Freude machte, zu sehen, wie sich die Pferde entwickelten.

Auch Artax wurde nach diesem Prinzip von Parelli ausgebildet. Natürlich schöpfte ich aus Kursen / Büchern, von anderen Trainern sehr viel Wissen und baute dies mit ein. Doch das Grundgerüst, blieb das klassische NHS.

Nach 5 gemeinsamen Jahren mit Artax kam ich nun in den letzten Wochen an einen Punkt, an dem ich merkte: Bis hier hin...und nicht weiter.

Die eigene Erkenntnis, etwas nicht richtig gemacht zu haben, ist schwer...
Mittlerweile bin ich dankbar darum, doch am Anfang wusste ich nicht, wie ich damit umgehen sollte.

Immer mal wieder "spielte" ich mit Artax auf dem Platz, wie gewöhnlich mit Stick und Knotenhalfter.

Doch in den letzten Wochen, war einiges anders. Artax entwickelte sofort eine leichte Anspannung, beim Anziehen des Knotenhalfters. Und dann, auf dem Platz, merkte ich zum ersten Mal, wie mein Pferd - in seiner erlernten Hilflosigkeit - mein gewolltes Programm runter ratterte.

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Es waren die 7 Spiele, die wie aus dem "FF" herausschossen, Seitengänge, Squeeze, das Circle Game und ein Pferd, mit dauernd angespannten Muskeln.

Zu Beginn freute ich mich darüber, dass die Spiele schon bei "Phase 1 " sofort abrufbar waren. Artax schien mir motiviert, lief wie eine "Lokomotive".

Heute bin ich so froh, dass Artax mir das mit aller Deutlichkeit zeigte...
Doch irgendwann waren die Spiele nicht mehr abrufbar, Artax agierte von selbst, bot alles an, war geladen und reagierte nicht mehr auf Hilfen. Er war voreingenommen, ratterte sein Programm herunter, in der Hoffnung, dass es bald vorbei war.

Hier merkte ich zum ersten Mal - er tut das alles nur, weil ich das von ihm verlange.

Er hatte kein Spaß an der Sache, er tat es nur, um den geringstmöglichsten Druck zu erhalten.

Ich fragte mich von dem Tag an - ob es das war, was ich von meinem Pferd wollte?
Und ich kam auf eine deutliche Antwort: "NEIN!"

Es tut mir leid, dass ich mein Pferd in diese Situation der "Erlernten Hilflosigkeit" gebracht habe.

Eine Ausbildungsweise mit "natürlicher Kommunikation" zu bezeichnen, welche - nichts anderes ist als "auf eine höfliche Art, sein Pferd unter Druck zu setzen".

Mir wurde klar, dass mein Pferd bei dieser Ausbildungsweise, gar keine Chance hatte - er selbst zu sein. Ich bot ihm zwar über die 4 Phasen die Möglichkeit, auf meine Bitte zu reagieren, kam allerdings keine Antwort darauf - so folgte eine Forderung, die solange stand hielt und unangenehmer, bis evtl schmerzhafter wurde, bis er reagieren MUSSTE!

Im ersten Moment war ich verzweifelt - was hab ich da nur angerichtet? Und vor allem - wie komme ich aus dieser Situation wieder heraus?

Und, auch wenn ich mich nie wirklich damit beschäftigt habe - kam mir das Clicker- Training in den Sinn.

Eine Ausbildungsweise, bei der es lediglich eine "Positive Bestärkung" gibt und "negative Ignoration". Es gibt kein "Druckaufbau" und keine "Strafe" mehr. Es gibt nur noch ein "Lob" und vor allem für Etwas, was das Pferd von sich aus anbietet.

Die Art und Weise, so frei mit dem Pferd zu arbeiten, hat mich maßlos begeistert.

Viele denken wahrscheinlich immernoch - das Pferd reagiert hier ja nur - weil es Futter bekommt. Ich sage : Na und?

Man bietet dem Pferd hier eine Möglichkeit, sich selbst einzubringen und ihm auch noch den Komfort zu bieten, die ihm seine Instinkte erwünschen.

Ein Pferd braucht Sicherheit, Sozialkontakte und Nahrung.

Warum bieten wir ihm also nicht eines davon. Das Märchen, ein Pferd würde uns, wegen unserer blosen Anwesenheit lieben, ist wohl selten bewahrheitet. Wir sollten wissen, dass ein Pferd UNS , als Mensch, definitiv nicht braucht und nicht brauchen wird.

Pferde sind nicht nachtragend - sie können verzeihen

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Heute haben wir Spaß an der "Arbeit" lernen viele neue Dinge und vor allem: Bieten viele Ideen ganz von selbst an :-)

Ich arbeite im Moment noch an einem kleinen "Clicker-Tagebuch" sehr gerne würde ich mit euch die Anfänge und die Fortschritte mit dieser "Ausbildungsweise" teilen

Natürlich würde ich mich über Geschichten, wie Ihr zum Clickern gekommen seit, wie sich euer Pferd dadurch veränderte, usw. auch sehr freuen!! :-)

Lesenswerte Lektüren:

Babette Teschen & Tanja Konerth - Clickertraining

Alexandra Kurland

Marlitt Wendt

uvm.

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