Natürlich - Tiergerecht

Denn die Natur kennt immer einen Weg

Das erste Mal auf Artax's Rücken....

 29.11.2015

Artax hatte sich mittlerweile in der Herde gut eingelebt - was es zum einen einfacher machte, denn er begann in Ruhe zu fressen und spielte auch mal mit den ein oder anderen Pferdekumpels - aber die Idee mit ihm ein Spaziergang zu wagen, fand er durch die nun enge Bindung zur Herde gar nicht toll....

Ich hatte allerdings das Glück und konnte meine seitherige Reitbeteiligung mit zum Spazieren gehen nehmen. Dadurch fühlte sich Artax nicht so alleine und er wieherte nicht mehr nach den Anderen, oder schob Panikattacken.

Immer wieder versuchte ich aber, mich allein mit ihm vom Stall zu entfernen...und Mal für Mal wurde es einfacher:

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An einen Spaziergang erinnere ich mich dabei am liebsten zurück:

Es war ein Abend, an dem ich wohl sehr traurig war. Ich lief mit ihm in den Sonnenuntergang. Es war schon spät. Wir liefen an einem Weizenfeld vorbei. Die Sonne beleuchtete jeden einzelnen Halm und machte ein wunderschönes Bild. Langsam begann ich wieder Kraft zu tanken....Doch dann blieb Artax stehen. Er wieherte lauthals und starrte mich mit großen Augen an. Ich lief zu ihm hin, streichelte ihn und sagte leise zu ihm: "keine Angst, ich bringe dich schon wieder nach Hause!". Etwas enttäuscht lief ich dann mit hängendem Kopf weiter. Ich dachte er vertraut mir und müsse kein Heimweh mehr haben...
Da spürte ich seinen Kopf auf meiner Schulter, leicht, aber fordernd...deshalb blieb ich abermals stehen.... und hätte ich in diesem Jahr nicht mein Abitur erfolgreich abgeschlossen, würde ich von spontanem Verlust meines Hirns sprechen....hörte ich eine flüsternde Stimme sagen: "ich habe keine Angst, da wo Du bist, bin ich zuhause!"
Es war ein faszinierender, unbeschreiblicher Moment des Glücks, Vertrauen und Liebe!

Artax wieherte seit dem Tag nie wieder nach Hause - egal wie weit wir uns vom Stall entfernten.

Auch bei allen anderen Dingen wuchs das Vertrauen zueinander....

Wir konnten mittlerweile die 7 Spiele nach Pat Parelli rauf und runter spielen. Artax reagierte fein, aber auch immer wieder fordernd. Er strapazierte immer wieder von Neuem meine Geduld, forderte mich auf konsequent zu bleiben. Er hinterfragte mich oft - war ich mir sicher was ich da tat? Gleichzeitig war er dabei sehr sensibel, schmeichelhaft und tat dies alles mit solch einer Feinfühligkeit, dass ich mich gerne seinen Aufgaben stellte.

*Da Artax seine 16 Jahre zuvor unter diesen schlechten Bedingungen gehalten wurde, hatte ich auch gesundheitlich große Herausforderungen zu meistern. Er hatte Mauke, ein schwaches Immunsystem, Magenprobleme und sehr schlechte Leberwerte. Ich begann mich von dem Zeitpunkt aus mit der Fütterung und der Naturheilkunde für Pferde zu befassen.
*Artax bekam seither ein fertiges Müsli, mit allem drum und dran - ich machte mir kaum Gedanken, dass es vielleicht der Auslöser für Mauke sein konnte? Auch die Leber und den Magen zu unterstützen mit Kräutern, Homöopathie, oder die Mauke mit Schüßler Salzen zu bekämpfen. Dies kostete viel Zeit, viel Mühe...aber wir hatten Erfolg!!!

Ich wusste wovon ich sprach, ich wusste was ich tat und ich wusste warum ich es tat - für IHN! Aber ich wusste auch, wofür er alles tat - FÜR MICH!

So lernten wir jeden Tag von einander. Ich wurde selbstbewusster, probierfreudiger...so wie auch er.

So begann ich  ihm immer wieder beim Fressen, irgendeinen Gegenstand oder zum Schluss sogar einen Sattel aufzulegen. Artax blieb wie immer frei stehen, es interessierte ihn nicht weiter, dass da etwas auf seinem Rücken lag:

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Das Bild entstand bereits im Mai 2010 Der Strick des Seils liegt dabei nur einmal über den Holzbalken. Wir übten bereits das Gefühl festgebunden zu sein. Es war mir wichtig, das Artax lernte dem Druck nachzugeben. Ich konnte nicht immer davon ausgehen, dass Artax überall frei stehen konnte - sollte es also doch mal zu einer Situation kommen, in dem ich Artax anbinden musste, so wollte ich nicht mit dem Schlimmsten rechnen.

Eines Abends legte ich ihm dann einen Sattel richtig auf und ich weißt nicht wieso...ich glaub es war einfach noch meine Unwissenheit (heute wäre ich vorsichtiger) ich setzte mich einfach auf ihn :-)

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Er hob sofort den Kopf und ich dachte - das war es jetzt- gleich lieg ich unten. Er spielte mit seinen Ohren und ich quetschte ein "Äääh, ich bins nur" raus. 

Und Artax? .....senkte den Kopf und fraß weiter...

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Es war mir nie wichtig, Artax jemals reiten zu können. Es war mir nur wichtig, Artax zu zeigen, dass dies, was die Menschen ihm vorher angetan haben - auch anders geht. Ich wollte ihm zeigen, dass nicht alle Menschen bösartig sind. Ich wollte, dass er mir vertraut!! 

Vertrauen ist mit das schönste Geschenk, dass ein Mensch von einem Tier bekommen kann. Vertrauen und unbegrenzte Liebe.
Danke