Natürlich Tiergerecht

Huforthopädie & Tierheilpraxis

Den Spiegel vorgehalten...

Der Tag war richtig nervig, die Kollegen im Geschäft haben gestresst. Jetzt geht es noch schnell in den Stall, oder mit dem Hund raus und dann auch noch Einkaufen , kochen, putzen - ein typischer "Scheiß-Tag".

Dabei ist heute nicht mal Montag - trotzdem lief nicht alles glatt.
Im Stall angekommen, merkst du, diese "Pechsträhne" zieht sich geradeso weiter....

Dein Pferd steht nicht still, dein Hund möchte dir nicht gehorchen. Er schnüffelt überall herum, dein Pferd zuppelt und bettelt....richtige Nervensägen - und das obwohl Du eh schon schlechte Laune hast?

Nein - genau deshalb!

Warum? Schließlich ward ihr jetzt den ganzen Tag arbeiten, hattet da schon Stress und jetzt danach geht es gleich weiter - und dann schafft nicht mal das Tier auf dich zu hören? Ist das nicht undankbar?

Im Schwäbischen gibt es ein Sprichwort: "Wie man es in den Wald hineinschreit - so kommt es auch wieder heraus". Und genau so ist es.

Eure Tiere, sind Eure Spiegel. Sie geben genau die Gefühle und Empfindungen wieder, die Ihr ihnen entgegenbringt.

Das wohl deutlichste Gefühl als Beispiel ist: Die Angst.

Fühlt einmal in Euch hinein, wie ist eure Körperhaltung, wenn Ihr vor etwas Angst habt?
Dabei reicht schon ein Referat oder eine wichtige Arbeit vor Euch zu haben. Ihr fühlt Euch unruhig, verkrampft und "klammernd".
Innerlich sind eure Gedanken voll von dieser Aufgabe, die Ihr zu bewältigen habt. Ein leichtes Unruhegefühl herrscht in Eurem Bauch.

Ein Reiter, der Angst hat, verspannt seinen Körper, er krallt sich an die Zügel und die Beine klammern sich ans Pferd.

Wie verhält sich ein Pferd, das Angst hat?

Auch so ein Pferd verkrampft sich, sein Kopf schießt nach oben, sein Hinterteil wird angespannt und es versucht aus der Situation zu fliehen.

Nun kombinieren wir den ängstlichen Reiter, mit dem ängstlichen Pferd.

Durch das Festklammern, engen wir das Pferd ein, geben ihm ein Zeichen, wie beim "Treiben" geben ihm unterbewusst das Kommando: "Lauf!".
Gleichzeitig krallen Wir uns in die Zügel, Wir nehmen ihm also die Möglichkeit sich umzusehen, den Kopf in seine Haltung zu nehmen. Zudem kommen über unsere angespannte Haltung, Hilfen, die sich vielleicht "fein" anfühlen, viel stärker beim Pferd an.

Wir nehmen unserem Pferd den Fluchttierinstinkt. Dadurch, dass wir es von seinen Instinkten abhalten, werden wir seinen Weg in die Flucht nur verstärken.

Ein Pferd, das Angst hat, muss seine Beine bewegen, dies ist sein Urinstinkt und sollte ihm nicht genommen werden.

Hier werden nun einige Stimmen aufkommen, mit: Wozu gibt es Martingals? Nasenriemen oder Ausbinder?

All diese Hilfsmittel sollen ein "Hochreisen" des Kopfes verhindern, sollen einer "unruhigen" Hand, die konstante Anlehnung ersetzen.

Diese "Hilfsmittel" nehmen einem Pferd den selben Instinkt und sind meiner Meinung nach, oft einfach nur eine Ausrede, für eine harte Reiterhand und zu wenig Wissen.
Was wir uns in solchen Situationen zu Herzen nehmen sollten, ist nur Eines:

Lerne ruhig zu bleiben!

Wir können lernen uns nicht zu verkrampfen, sondern in solchen Situationen herzhaft zu Gähnen oder einen lauten Seufzer auszutoßen, zu entspannen und zu sagen: "Hey, es ist alles okay, es gibt kein Grund sich aufzuregen."

Viele Menschen arbeiten nur leider mit härter werdenden Händen, nicht mit härter werdenden Emotionen. (Wie oft hast Du selbst vielleicht in einer aufregenden Situation die Fäuste in den Hosentaschen geballt? )

Zu denken, das Pferd sei ein vollkommen domestiziertes Tier, ist der größte Fehler, der immer wieder gemacht wird.
Dem Fluchttier Pferd, sind seine Instinkte, trotz aller Domestizierung, schlichtweg in die Pferdewiege gelegt.
Es wird in Situationen, in denen es Angst hat und Du dich auch noch ruckartig auf Ihnen verkrampfst nur eines denken: "Du bist das Raubtier und Ich die Beute!"
Selbst wenn das Vertrauen einmal soweit ausgereift ist und Du das "Vertrauenstier" deines Pferdes geworden bist, wird es immer auf DEINE Reaktionen antworten. Bleibst Du ruhig, wird auch Dein Pferd sich schnell wieder entspannen.

Sicher gibt es Situationen, in denen evtl. schon etwas passiert ist - Ihr vielleicht sogar gestürzt seid. Auch ich gebe zu, habe lange, nach einem Sturz diesen Fehler gemacht.
Immer wenn eine Situation mich an dieses Ereignis erinnerte, bekam ich feuchte Hände, begann anders zu atmen und klammerte mich unwissentlich in die Zügel.

Artax merkte das natürlich sofort und es rief genau wieder die Reaktion hervor, welche ich eigentlich vermeiden wollte.
Seid in dem Fall auch mal mutig - holt euch Hilfe, wenn Ihr es allein nicht schafft.
Auch ich habe zur Hilfe gegriffen - in dem Fall nur eine liebe Freundin, die mit mir "Ponytausch" machte. Nach ein zwei Ausritten, in dem Artax entspannt aus der Situation ging, da auch Sie entspannt war - traute ich mich wieder auf seinen Rücken.
Angst ist etwas völlig menschliches. Es ist wichtig mit Ihr klar zu kommen , da hilft kein Kämpfen oder Verzwingen.
Ein Bewusstwerden und Einsehen, ist schon der erste Weg zur Besserung. Sich das selbst einzugestehen ein großer Schritt, der auch Mut beweißt. Aber man wird daraus lernen!

  • Pferde sind stets auf Gefahren bedacht.
  • Sie fliehen vor Gefahr und
  • Sie sind stets skeptisch mit dem Gefahrenherd.

Diese 3 Dinge sollte man sich immer im Hinterkopf behalten.

Es ist also Aufgabe von Dir, an Dir zu arbeiten, Deine Emotionen unter Kontrolle zu halten.
Lerne locker zu lassen. Gebe deinem Pferd die Möglichkeit die Beine zu bewegen.
Damit meine ich nicht, gebe deinem Pferd die Möglichkeit durchzugehen oder mit Dir wie von der Tarantel gestochen über den Acker zu rennen.
Auch eine Volte ist eine Art, einem Pferd,Bewegungsfreiheit zu schenken.
Der Weg strikt Geradeaus, ist dabei der schlechteste.

Denkt dabei an die "laterale Biegung" und nimmt Euch diese zu Hilfe.
Ein immer kleiner werdender Kreis, bis das Pferd letztendlich zum Stehen kommt.

Ein Pferd reagiert aufgrund seiner Instinkte. Bestrafung ist hier also absolut keine Lösung. Pferde lernen aus Wohlbefinden und Folgen auf gewisse Situationen. NIEMALS durch Bestrafung.

Wenn Dein Pferd sich also vor dem fürchtet, was Du gerade tust und beginnt die Augen aufzureißen oder herumzutänzeln und Du nun damit aufhörst, bestätigst Du, Dein Pferd in seinem Tun.

Beginnt es herumzutänzeln - hört die unangenehme Situation auf.
Höre also nicht damit auf, verlangsame Deine Aktion höchstens und beginne damit, Dein Pferd zu desensibilisieren.

Hier hilft, entspanntes Stehen und, auch wenn viele immer lachen: GÄHNEN! Oder seufzen. Es ist ein optisches, sowie hörbares Signal für Dein Pferd, dass Du entspannst.
Lass deine Schultern einfach mal hängen und lächle.
Dein Pferd lernt, vor Dir keine Angst haben zu müssen. Es lernt das Vertrauen zu einem Raubtier.
Ein Pferd braucht einen Partner, zielstrebig, ruhig und kontrolliert, nur so kann es uns vertrauen.

Auch der Hund - der treuste Freund des Menschens. Hält sich im Verhalten Ähnlich.
Sehr oft sehe ich aggressive Hunde - die nur aus ANGST beißen. Ein sicherer Halter, mit klaren Regeln und sicherem Auftreten ist hier nicht zu sehen.
Besitzer, die beim ersten Annähern von anderen Hunden o.Ä. den Hund kurz nehmen - am Halsband halten, ja oft auch "hoch halten"- der Hund mit Atemnot, der sich noch mehr dagegen wert.

Schonmal versucht die Leine locker zu lassen, eventuell einen Kreis zu gehen mit dem Hund? - den Hund auf dich aufmerksam zu machen (gerne auch mit Leckerlie). Mit Zureden, eingebauten Übungen.
Macht ihm die angeblich "gefährliche" Situation so beiläufig wie möglich. IHR seit wichtig - nicht das Geschehen drum herum.

Der positive Nebeneffekt für den Mensch:
Lern Dich in weiteren Emotionen in Griff zu bekommen. Nehmen wir die Wut. Wie oft kommt es zu Ausfällen, wegen überkochender Wut?
Lerne damit umzugehen, lerne Dir zu sagen, dass selbst in der größten Wut, ein entspanntes Lächeln funktioniert.
Richte Deinen Körper auf, nehme Deine Schultern nach hinten, atme tief 3x aus und ein und Du wirst sehen, man kann es lernen!

Ein Pferd wird Dich immer wieder darauf aufmerksam machen. Es wird Dich daran erinnern, dass Du ihm fair und mit den richtigen Emotionen entgegentreten wirst. Lerne die Hinweise Deines Pferdes darauf, zu verstehen und als Aufgabe zu nehmen, für Dich!